Alternative Reifenkomponenten
Die meisten Menschen betrachten Löwenzahn als lästige Unkraut. Aber bei Continental sah man im blühenden Unkraut das Potenzial für ein wichtiger Bestandteil von zukünftigen Reifen. So hat Continental, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, die ersten Reifen hergestellt und getestet, bei denen der Naturkautschuk aus dem Gummibaum durch Kautschuk aus Löwenzahn vollständig ersetzt wurde. In den nächsten 5-10 Jahren plant man, die Serienproduktion von Reifen aus Löwenzahn-Kautschuk aufzunehmen.
Ein Autoreifen enthält zwischen 10 und 30 Prozent Naturkautschuk, während Truckreifen einen höheren Anteil haben können. Heute wird Naturkautschuk fast ausschließlich aus dem Gummibaum (Hevea brasiliensis) gewonnen, der nur im sogenannten "Gummigürtel" um den Äquator angebaut werden kann. Die weltweite Nachfrage nach Naturkautschuk wird in den nächsten Jahren steigen, während sich die Welt verändert und es schwieriger wird, diese Nachfrage zu decken.
Der Wachstumszyklus des Gummibaums beträgt etwa sieben Jahre, bevor er mit der Produktion von Latex beginnen kann, der für die Reifenherstellung verwendet wird. Diese aus Latex hergestellte Reifen sind wichtig, da sie einzigartige Eigenschaften besitzen, die nicht durch synthetischen Kautschuk nachgebildet werden können, was Naturkautschuk für die Reifenproduktion unverzichtbar macht. Daher übersteigt die Marktnachfrage die Produktionskapazitäten, was in der Vergangenheit zu unvorhersehbarer Preisschwankungen geführt hat.

Continental betrachtet Löwenzahn als alternative Quelle für Naturkautschuk. Continental verwendet nicht einfach den gewöhnlichen Löwenzahn, sondern eine spezielle "russische Art". Dies ist die einzige Löwenzahnart, die als alternative Quelle für die Produktion von Naturkautschuk verwendet werden kann. Die Wurzeln dieser Löwenzahnart enthalten Naturkautschuk-Latex (die Quelle für Naturkautschuk, der in Reifen verwendet wird), was bedeutet, dass die Lieferungen stabiler und easier zu kontrollieren sein werden, was zu einer größeren Preisstabilität führt. Diese Kultur ist auch viel weniger anfällig für Wetterbedingungen als der Gummibaum.

Vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist Löwenzahn eine anspruchslose Pflanze, die in gemäßigtem Klima, sogar in der nördlichen Hemisphäre, wächst und auf Flächen angebaut werden kann, die nicht für die Nahrungsmittelproduktion geeignet sind. Dies bedeutet, dass die Reifenproduktion beispielsweise in der Nähe unserer Reifenwerke möglich ist, was zu erheblich kürzeren Transportwegen führt.
Der Transport von Kautschuk aus Südamerika oder Westafrika nach Nordamerika und Europa für die Produktion ist ein langwieriger und teurer Prozess, der auch erheblich zum Ausstoß von CO2 beiträgt. Wenn es möglich ist, diesen Teil des Prozesses auf landwirtschaftliche Gebiete in Amerika und Europa zu verlagern, werden die wirtschaftlichen Vorteile und die CO2-Emissionen ein erheblicher Vorteil für die Reifenindustrie sein.

Diese Löwenzahnart kann auf einem großen Teil der Erde angebaut werden. Der Wachstumszyklus des "russischen Löwenzahns" beträgt etwa ein Jahr. Im Gegensatz dazu hat der Gummibaum einen langen Lebenszyklus, wenn die erste Ernte erst nach sieben Jahren nach der Pflanzung geerntet werden kann.
Die bislang durchgeführten ersten Tests haben gezeigt, dass Reifen, die mit Löwenzahn-Kautschuk hergestellt werden, äquivalente Eigenschaften wie Reifen aus herkömmlichem Naturkautschuk aufweisen. Obwohl das Potenzial groß ist, müssen noch erhebliche Hürden überwunden werden, bevor dieser natürliche Werkstoff vollständig genutzt werden kann. Zunächst einmal stellt die Synchronisation des agronomischen Prozesses (Pflanzung, Anbau und Ernte) mit der ständig wechselnden Nachfrage eine ernsthafte Herausforderung dar.
